Wenn Trennungen anstehen: Setzt Euch zusammen!

Trennungen, Aufhebungsvereinbarungen, Kündigungen, Personalabbau – wenn diese Aufgaben anstehen, wird geprüft, ob externe Unterstützung nützlich sein mag.  Oft sprechen mich Personaler an, seltener auch Mitglieder des Betriebsrats.

Bei Trennungen agieren Personalleitung, Betriebsrat, Führungskräfte und Top Management oft wie Eigenbrötler

Es sind zwar alle im Unternehmen berührt, doch die Idee, dass sich alle an einen Tisch setzen, wird meist schnell abgetan. Geschäftsführung, Human Resources, Arbeitnehmervertreter, direkte Vorgesetzte sollen zusammen sitzen? „Nein!“ lautet oft die Antwort.   „Das ist nicht sinnvoll! Alle haben ihre eigenen Nöte und Aufgaben und sollten im geschützten Raum Lösungen entwickeln.“

Interne Klärungen unabdingbar

Natürlich müssen Entscheidende und Handelnde im eigenen Kreis klären. Aber auch mit den anderen.

Doch die meisten Workshops in Sachen Trennungskultur finden getrennt statt: Exklusiv und jeweils nur für HR, BR, Directs. Zusätzlich gibt es Specials für Top Manager.  Wenn ich höre, was in diesen exklusiven Zirkeln  geäußert wird, zucke ich zusammen. Formulierungen, hinter denen Denkweisen stehen, sind oft zum Haare raufen. „Wir sind ja unter uns!“ Ja eben.

Aber alle in einen Workshop? Geht nicht, ist nicht gewünscht. Auch dann nicht, wenn es viele Betroffene und Akteure gibt, so wie das bei Trennungen immer der Fall ist. „Wie sieht das denn aus, wenn wir uns mit der Gegenpartei treffen? Danach traut uns niemand mehr über den Weg und die Belegschaft fürchtet Mauschelei. Überhaupt liegt ja genau diese Grenzziehung sinnvoll im System begründet. Arbeitgeber- und Arbeitnehmer-Interessen können und dürfen nicht übereinstimmen.“

Wer so spricht, hat weder das Prinzip Verhandeln verstanden noch die Menschen im Blick. Und schadet, auch dem Unternehmen. Weil Ausflüchte und vage Konzepte zum Scheitern führen.

Zu oft erlebt: In exklusiven Seminaren dominiert Schuldverortung bei den jeweils anderen, begleitet von Betroffenheitsbekundungen oder auch mal Angriffsstimmung. Das klingt dann so:

„Unsere Geschäftsführung interessiert sich nur für Zahlen.“

So sprechen mitunter HR-Experten, einig vielleicht mit den Arbeitnehmervertretern. Das Risiko, der Sündenbock sitzt woanders und weit oben. „Mit dem kann man nicht reden. Besser hält man ihn von Trennungsgesprächen fern, sonst verdirbt er alles.“

„Erzählen Sie das mal unserer Personalleitung!“

Zitat eines Betriebsrats, als offenkundig wurde, dass auch die ArbeitnehmervertreterInnen sich auf Gespräche individuell vorbereiten müssen, wenn sie Betroffene emotional unterstützen wollen: „Die Personalleitung ruft 15 Minuten vorher an und sagt, ich soll mal dazu kommen. Ich habe vorab keine Ahnung, wer da sitzen wird.“

„Der Betriebsrat wird quer schießen. Diese Leute wollen Krawall und Kampf.“

Häufig geäußerte Sorge in Führungsetagen und in Personalabteilungen bei dem Gedanken, dass jemand vom BR an Trennungsgesprächen teilnehmen wird. „Die machen Mitarbeiter heiß und wollen sogar in dieser Situation ein Kräftemessen. Benenne ich das Ziel ‚faire Lösung‘, lachen sie zynisch.“

„Ja, das haben unsere Top Manager wieder fein ausgeheckt.“

Eventualitäten, wenn Sie Trennungen ansprechen: Be prepared! Bereiten Sie Antworten vor, die zum Ziel hin führen.
Eventualitäten: Be prepared!

Chef-Schelte ist verbreitet. Sitzt das Headquarter weit weg, wird diese distanzierte Ablehnung noch wahrscheinlicher und der Vorwurf lautet, dort habe niemand Ahnung, weder vom praktischen Geschäft noch von den Hürden für einvernehmliche Trennungen. Und keinen Plan für den Fall der Fälle.

Dass, wer so spricht, sich selbst und seinem Ansehen schadet, ist nicht allen klar.

Die üblichen Bedenken und Vorbehalte entkräften

Entsetzt bin ich von den Sprüchen der anderen Art, unterirdisch. Zitate, die ich so oder ähnlich immer wieder höre, wo eigentlich über faire und wirksame Trennungsmaßnahmen gesprochen werden soll.

Doch genau dies Entsetzen hilft. Es verdeutlicht. Die Statements bieten prima Anlässe, um Probleme zu identifizieren und zu lösen:

„Ich weiß, dass ich das nicht darf, denn es geht ja um freiwilliges Ausscheiden. Trotzdem sage ich mal das Wort ‚Kündigung‘, um einen Schreck auszulösen.“ (Personalreferent)

„Was soll das Gejammer? Das ist halt ihr Job, Feuern gehört dazu: Dafür sind die Personaler doch extra ausgebildet! Sollen sie es also auch machen.“ (GF)

„Ich stehe nicht dahinter. Für die Schlipsträger hole ich jetzt nicht die Kohlen aus dem Feuer.“ (Direkter disziplinarischer Vorgesetzter)

„Psychogesäusel… wir machen hier echtes Business in hartem Markt. Der Feind schläft nicht. Da ist kein Platz für Gefühle.“ (Führungskraft)

„Es ist völlig egal, wie die das machen: Es ist und bleibt Mobbing.“ (BR)

Nur drei Beispiele

„In der Theorie klingt das alles prima!“

So monieren Teilnehmende aller Gruppen, immer wieder, wenn wir konkreter werden. Ablenkungsmanöver? Dabei geht es im guten Workshop nicht um Theorie. Wer sich hier in Theorien verliert, hat verloren. Sondern: In der Praxis wird es (nur dann) funktionieren, wenn alle Akteure das Kastendenken verlassen und darauf verzichten, Schuld und Inkompetenz den jeweils Abwesenden unterzuschieben.

„Mir geht es schlecht. Mir ist speiübel.“

Dynamik bei Trennungen: Psychische Prozesse, die mit einer schlechten Nachricht einhergehen. Leiden. Große Anzahl von Betroffenen. Menschliche und wirtschaftiche Folgen

In meinem Berufsleben habe ich nur einen Menschen getroffen, dem es Freude bereitete, Kündigungen auszusprechen. Mehrere, denen es egal zu sein schien.

Viele, sehr viele, denen es mit der Aufgabe „Trennungen initiieren und durchführen“ gar nicht gut ging. In unterschiedlichen Positionen, auf allen Ebenen. Mit ihnen arbeite ich gerne.

Das geht besser? Haben Sie Beispiele?

Na klar. Ich weiß von hunderten Trennungen per Aufhebung, die zügig und ohne Prozesse vor dem Arbeitsgericht erfolgten. Nachdem Geschäftsführung, Personalleitung, Betriebsrat und Führungskräfte gemeinsam in 9-Personen-Workshops am Thema arbeiteten. Das waren gestandene Leute, souverän und selbstkritisch und nie schnell zufrieden. Es ging heiß her – und am Schluss wusste jede/r, was zu tun ist. Und wie: Sogar wörtliche Formulierungen wurden vereinbart, kurz, klar, fair.

Kollektive Dummheit oder Kognitive Inzucht?

Wenn jeder Bereich seinen eigenen Trainer bucht und auf jeder Etage ein eigenes Süppchen gekocht wird, ist die Filterblase garantiert. Zu verführerisch, zu einfach die Schlussfolgerung: Die anderen haben es verbrockt und sollen es richten. „Wir können da nicht viel machen.“ Ja, dann stimmt das. Unterbleibt die Kontroverse in der Krise, kann niemand viel machen. Besser wird dann nichts.

Miteinander reden, über Grenzen hinweg

Laufen Gespräche – auf gleichem Hierarchielevel oder übergreifend – mühsam, ist das ein Hinweis auf das Klärungsbedarf. Gerade dann: reden!

Finden sie gar nicht statt, heißt die Prognose: „Das geht schief!“ Dann folgen bald neue Probleme und neue Abbau-Wellen. Weil fehlende Absprachen zu Irritationen, Verzögerungen, zum gegeneinander Ausspielen, zum Misslingen führen.

Es klappt, wenn…

Positiv beeindruckt bin ich regelmäßig dann, wenn Trennungen sauber ablaufen. Es gibt viele Beispiele, wie das gelingen kann. Voraussetzung ist stets, dass starke Akteure am Werk sind, in allen Rollen und Positionen. (Ver-)Handelnde, deren Worte Gewicht haben, die auch auf der „anderen“ Seite Gehör finden und respektiert werden.

Wie bekommen wir alle an einen Tisch?

Mit Erfahrung und Ideen. Das kennen Sie aus dem Joballtag.

All das wird verhandelt: Die Form des Miteinanders, die Inhalte, die Ausgestaltung, die gemeinsamen und die geschützten Räume. Auch hier können Sie vieles richtig machen. Auch hier kann ein Experte von außen Input liefern.

Ich habe die besten Erfahrungen gemacht, wenn ich es mit sicheren, um die Sache kämpfenden Menschen zu tun hatte. Da sagte ein GF: „Ich will einfach wissen, was meine Leute da lernen – und sie dabei unterstützen.“ Oder ein PL: „Ich habe meinen Geschäftsführern gesagt, sie müssen am Workshop teilnehmen. Nur dann kann ich uns vor dem Arbeitsgericht vertreten.“ Der BR: „Wir sitzen im Trennungsgespräch dabei – das hat Wirkung. Gut ist, wenn jeder seine Rolle kennt.“

Holt Euch einen gestandenen Moderator, der das Thema seit mindestens 10 Jahren beherrscht und der mit den Menschen auf allen Ebenen versiert arbeitet. Der nicht nur die Nöte aller Akteure und Betroffenen kennt. Sondern auch die kritischen Erfolgs-Schlüssel. Und der peinlich konkrete Fragen nicht scheut.

Trennungen? Setzt Euch zusammen!

Streitet und verhandelt! Redet kontrovers, entwickelt gemeinsam und klärt das Vorgehen. Setzt Euch zusammen, alle an einen Tisch, in den gemeinsamen Workshop. Der braucht Traute und zahlt sich aus.

Workshop für professionelle Trennungen: Ihre Fragen sind Agenda