Vertrauen online schaffen?

Ja, das geht. Offenheit, persönliche Nähe, Sympathie ebenfalls.
April 2020 habe ich das nicht geglaubt. Selten habe ich so schnell meine Meinung geändert. Dank gilt allen, die mich dabei toll unterstützt haben. Hier lesen Sie, wie das alles kam.

Online? Das sollen Jüngere machen.

Ist nix für mich, ich warte ab, bis Corona vorbei ist!
Wäre ich diesmal konsequent geblieben, hätte ich mich womöglich für immer zur Ruhe setzen können. Tat ich nicht.

Das wird peinlich!

Allein schon der Aufwand, sich in all die neuen Programme einzuarbeiten! Und dann sehen die Menschen, dass ich mit der Technik nicht umgehen kann, das wird ziemlich unangenehm und schadet meinem Ansehen!
Auch das erwies sich als falsch. Die Progs sind nicht so kompliziert, zeitweise halfen mir die Mitmachenden: „Klick doch mal auf die Galerieansicht!“ Schon nach kurzer Zeit wurde ich selbst gefragt: „Das ist erfrischend – wie haben Sie das mit den Bildern gemacht?“

Ist mir einfach unangenehm.

Ich bin zu sehen, auch wenn unausgeschlafen und unvorteilhaft. So eine Kamera ist doch unerbittlich. Oder so unscharf, dass ich mich selbst kaum erkenne.
Bis jemand Vertrautes sympathische Schnappschüsse anfertigte, mit meinem OK natürlich.

Am Computer sagt niemand mehr das, was wirklich beschäftigt.

Keine heiklen persönlichen Fragen, keine vermeintlichen Schwächen.
Falsch, ganz falsch! Schon nach meiner Premiere war ich baff: Was da gesagt und gefragt wurde, welche Fragen ich danach als bis dato Fremder gestellt bekam, das war so umwerfend offen und ehrlich…

Zu teuer!

Zugegeben – die Ausstattung, die Übertragungstechnik, die wir bei Frau Merkel beobachten können, ist aufwändig. Muss aber nicht sein: Notebook aufklappen und los… Da ich technisch affin bin und gerne etwas austüftele, blieb es nicht dabei. Anfängliche Probs (z. B. gab es April 2020 keine Webcams zu kaufen) ließen sich kreativ lösen. Wer wissen möchte, mit welcher Hard- und Software ich derzeit agiere, frage mich bitte.

Online macht Zoom-Hintern

Diese Vokabel publizierte ein Vorstandschef – und freute sich, dass er statt Auslandsreisen nun täglich einen Spaziergang mit seiner Frau genießen könne.

Was auch hilft:

Mal im Stehen arbeiten, mal im Sitzen. Selbst im Gehen hab ich schon erlebt (Teilnahme per Mobile Phone).

Viereckige Augen…

… vom Immer-nur-in-Monitore starren? Nun – auch hier helfen klug platzierte, vernünftig lange Pausen. Oder Augenübungen: Guck mal in die Ferne zwischendurch!

Max 90 Minuten

Stimmt auch nicht. Ich hatte gute Berater:innen und wusste früh: Auszeiten zwischendurch („Sie sind der Erste, der richtige Pausen einplant und nicht nur einen schnellen Wechsel der sprechenden Person“) ermöglichen eine Dauer, die es erlaubt, auch mal in die angemessene Tiefe zu gehen und dennoch wach zu bleiben.

Folienschlacht und Oberlehrer-Gehabe?

Nicht bei mir. Frontalbeschallung lullt sicher in den Halbschlaf und übervolle Charts sind schon seit Jahrzehnten out. Vertrauen online geht anders und besser. Info-Übermittlung auch.

Videokonferenzen ätzen!

Immer nur diese anstrengenden Meetings, und nun auch noch ausschließlich am PC!
Das beklagen viele, dabei gibt es unglaublich vielseitige Formate.

Was da alles geht…!

Vom Skeptiker zum Fan

April 2020: „Hör auf mit Online, wenn ich das schön höre, bekomme ich schlechte Laune!“

Mai 2020: Unglaublich, was nun alles möglich ist. Ich staune, ersinne neue Spielvarianten und freue mich darüber. Andere auch, wie Rückmeldungen zeigen.

Die Café-Piano-Party

Da wussten wir alle noch nicht, wie es mit Corona weiter gehen würde. Wir ahnten auch nicht, dass unser Format schon längst „hybrid“ hieß.

Von was berichte ich da?

Ein mit viel Vorfreude angekündigtes Fest drohte über die Kontaktbeschränkung abzustürzen. Und nun? Verschickten die Gastgeber Einladungen, bei Zusage folgte ein Paket mit Häppchen und Wein vom guten Winzer, „damit wir gemeinsam essen und trinken und feiern können“, es gab (erlaubte) tolle Live-Musiker im Café und 25 mit Cams und Mics zugeschaltete Rechner, teils ganze Familien hockten davor, in Kanada, USA,  („Ihr trinkt morgens um 11:00 Weißwein mit Euren Kindern?“) verteilt über Deutschland, auch im Odenwald und sogar in Zwingenberg.

Einer checkte vorab und funkte dann seinerseits ein paar Lieder live ins Event, es wurde gelobt, gelacht, gefilmt und geplaudert.

Nur einen Fehler haben wir gemacht, dazu später mehr. Es war ein tolles Fest, in Präsenz hätte es kaum schöner sein können.

Small Talk vorab

Zurück zum Seminar… Schöne Chance, jedoch, hm, etwas quälend finde ich Veranstaltungen bereits dann, wenn vor Start alle Eingeloggten schweigend in ihre Kameras starren. Dabei bieten diese Momente doch, wie bei der physischen Begegnung auch, die beste Situation für das kleine Gespräch. Zum Wiedersehen, zum ersten Kennenlernen, zum Technik-Check. (Natürlich habe ich dafür ein Tool, das liefere ich oft als Bonus-Track, bevor es richtig losgeht).

Pünktlich beginnen, pünktlich beenden

Zu schade: Auch in die Online-Welt hat sich die Unsitte „wir warten noch paar Minuten, bis alle da sind“ herüber gerettet. Dabei sollten doch viel eher die Pünktlichen belohnt werden.

Für den Schluss gilt, was alle im Zeitmanagement gelernt haben: Sag das Ende an und halte es ein! Vermutlich ist kurz vor Schluss dann die effizienteste Phase. Und danach kann immer noch, s.u., der Abschied-Plauder stattfinden.

Der erste Gruß

Händeschütteln zum Auftakt geht nicht mehr. Ich habe eine virtuelle Alternative erprobt, simpel und chic. Sie schafft sofort so etwas wie Nähe, Lächeln. Neugier auf Menschen und Themen.

Raucherpause ohne Ziggies

Neueste Entwicklung: Wer im Seminar mitmacht, kann jederzeit nach nebenan zum Plaudern gehen, zu zweit, zu dritt… und wiederkommen, wenn fertig. Das gibt es ja schon immer, Menschen nesteln nach Kippen, stolpern stotternd mit ihrem Handy aus dem Raum oder gehen zum Druckausgleich und kehren nicht so bald wieder – weil sie lieber vor der Tür plauschen oder lästern. Das geht auch online. In einem FAZ-Interview wurden Studierende gefragt: Wo ist der beste Platz zum Flirten? In den Breakout Rooms. Der Referent plant keine Pause? Well… ich schon.

Demokratisch: freie Themenwahl

Geht, wenn ich als Moderator so viel Freiheiten und Abstimmung mit den Füßen vertrage (ja, ich will!): Ggf. wird in Kleingruppen genau das entwickelt, was die Menschen interessiert und was ihnen nützlich ist.

Feedback zur Halbzeit

oder auch jederzeit mittels meiner Ampelkarten: Schlussrunden finde ich oft unergiebig. Ich brauche nicht am Ende die Antwort auf „war ich gut?“, sondern zwischendurch klare Hinweise, um früh justieren zu können.

Ausklang

Das habe ich im Piano gelernt: Lass danach das System einfach noch eine Weile laufen! Die Gäste können, so sie mögen, dann noch miteinander reden, schreiben, teilen, essen, trinken, sich verabreden.

Vor Jahren, ich erinnere mich gerne, nach einem grandiosen Live-Konzert in der Alten Oper, blieb ich einfach vor Ort. Die Stimmung, wenn zuerst viel Reden einsetzt, dieses dann abebbt, Fußtrappeln zu hören ist, das langsam immer leiser wird, in der Ferne noch ein Lachen… Dann erscheinen die Fleißigen, die wortlos mit geübten Griffen nach und nach alles abbauen – es war eine kleine magische Zeit, diese paar Minuten.

Der Abschied, der Freude macht

Das mir schönste Bild zeigt sich dergestalt: Als letzte Botschaft applaudieren alle, Kamera an, in der Gebärdensprache. Ein solchermaßen flimmernder Bildschirm = tolle Ernte für den Moment direkt nach kreativ-konstruktiver Zusammenarbeit.

Interesse?

Vertrauen online geht gut, manchmal sogar schnell und einfach.

Wie genau ? Mehr dazu? Mich fragen oder buchen 🙂